„Die Mobilitätswende spielt im Hamburger Rand“

GRÜNE aus den Kreisen Segeberg, Pinneberg, Stormarn und Lauenburg vernetzen sich für verbesserten ÖPNV in der Metropolregion

8.9.2020

Um über eine gemeinsame Strategie in der Verkehrsentwicklung zu sprechen, hatten die Norderstedter Grünen zu einem Arbeitstreffen eingeladen.   So trafen sich die GRÜNE Landesspitze und Vertretungen der Kreise Segeberg, Stormarn, Lauenburg und Pinneberg. Ins Leben gerufen haben das Treffen die Verkehrspolitiker und -politikerinnen, die bereits in verschiedenen Grünen Arbeitsgruppen zum ÖPNV aktiv sind: Ruth Kastner (Fraktionsvorsitzende in Bargteheide), Oliver Brandt (Kreistagsfraktion Lauenburg), Wiebke Garling Witt (Kreistagsfraktion Stormarn), Susan de Vrée (Kreisvorstand Segeberg) und Nadine Mai (Kreistagsfraktion Pinneberg).

Ziel ist es, aus dem Hamburger Rand gezielter und einiger voran zu gehen und damit auch ein starkes Signal gegenüber den Hamburger Verkehrsplanern zu setzen. Dazu trägt auch Anjes Tjarks, der neue GRÜNE Senator für Verkehr und Mobilitätswende bei. „Das Tempo, das Hamburg vorlegt, ist beeindruckend. Nun müssen wir alles daransetzen, diesen Schwung auch für den Hamburger Rand zu nutzen.“, so Oliver Brandt von den Lauenburger Grünen. „Als GRÜNE stellen wir die Konstante dar. Wir sind in beiden Landesregierungen vertreten und können unsere Schwerpunkte besser koordinieren.“, so Brandt.

Nicht erst seit dem OECD Bericht zur Metropolregion aus dem Jahr 2019 wissen sowohl Hamburg als auch die Umlandkreise, dass noch viele Potentiale ungenutzt bleiben und der Wohlstand Hamburgs nicht ohne die Metropolregion denkbar ist. Zu oft enden Verkehrswege und –linien an Landes- oder Kreisgrenzen, während Menschen diese überschreiten wollen.

v.l.n.r.: Susan de Vrée (Norderstedt, Kreisvorstand Segeberg), Ruth Kastner (Fraktionsvorsitzende in Bargteheide), Oliver Brandt (Kreistagsfraktion Lauenburg), Nadine Mai (Kreistagsfraktion Pinneberg) 

Vor allem beim Thema Fahrradverkehr will sich Schleswig-Holstein im Hamburger Rand mehr engagieren. Eine bessere – auch finanzielle – Förderung der Region ist im Bereich Fahrradwege im Gespräch, wie Andreas Tietze, MdL und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr, auf dem Treffen berichtete. Anschlüsse an das von der Metropolregion und dem Bund geförderte Radschnellwegenetz müssten jetzt geplant und umgesetzt werden! „Die Metropolregion muss sich dazu auf politischer Ebene vernetzen, aber auch in ihren Strukturen besser aufstellen und die Randkreise auf Augenhöhe einbeziehen.“, so Tietze.

Ein Schwerpunktthema des Treffens war insbesondere die Tarifstruktur des HVV, die viele Umlandkreise in besonderer Weise beschäftigt. So verlaufen die Tarifgrenzen – oft ohne erkennbaren Grund – mitten durch die Kreise.  So werden teils Wege mit dem Auto zur nächsten Bahnstation in Kauf genommen, um in einen günstigeren Tarif zu kommen anstatt auf ökologische Weise mit dem Fahrrad die nächstmögliche Station zu wählen, wie in Ulzburg Süd der Fall.

Um dieses Thema anzusprechen, hatten die GRÜNEN den Prokuristen und ‚Tarifmacher‘ des HVV, Matthias Wiarda, eingeladen. Dieser erläuterte unter anderem die Schwierigkeit zwischen den sich widersprechenden Zielen eines „einfachen, gerechten und auskömmlichen“ Tarifs im HVV zu vermitteln. Längere Strecken müssen mehr kosten und irgendwo müsse die Grenze verlaufen. Mögliche Auswege sahen die HH-Rand-GRÜNEN daher in Waben-Tickets oder einem 365-Euro Ticket ähnlich wie in Wien. Gleichzeitig fehle es im ÖPNV in den Umlandkreisen aber noch an Taktungen und Linien. Diese attraktiver zu machen, hat Priorität.

Einen Anfang hat das durch Kreise, Arbeitgeber und Azubis gemeinschaftlich finanzierte Azubi-Ticket gemacht, das in Hamburg, Segeberg und Pinneberg bereits beschlossen ist, in Stormarn und Lauenburg derzeit diskutiert wird. Für den Tarifprofi Wiarda sollten sich die Abläufe und Zuständigkeiten im Azubi-Ticket System zwar noch etwas verschlanken, die Vorteile einer solchen Gemeinschafts-Lösung überwiegen aber. Eine wirkliche mutige Lösung ohne Verwaltungsaufwand wäre ein Ticket für alle unter 18 Jahren.

„Das war ein wichtiges Treffen zur Bündelung der verkehrspolitischen Interessen der vier beteiligten Kreise. Mit einem gemeinsamen Positionspapier wollen wir uns gegenüber der eigenen Landesregierung in Schleswig-Holstein und den Nachbarn in Hamburg aufstellen. Weitere Treffen zu diesem Schwerpunkt Thema sind bereits in Planung!“ resümiert Susan de Vrée, Verkehrsexpertin der Norderstedter Grünen.

Quellen:
https://www.oecd.org/berlin/publikationen/regionalentwicklung-metropolregion-hamburg.htm
https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/VII/_startseite/Artikel2020/III/200901_Radstrategie.html
https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/R/radverkehr/radstrategie_eckpunkte.html;jsessionid=F74017357FAFE16619FC3A011F83AF94.delivery2-master
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