Segeberger Synagoge mit Sicherungszaun

Die Befreiung von Auschwitz und 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland – Dauerausstellung im Segeberger Gemeindezentrum

Am 27. Januar 2021 jährt sich der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz zum sechsundsiebzigsten Mal. Es ist kein Feiertag im üblichen Sinn, sondern ein wichtiger Gedenktag. Gedacht werden soll der Gräueltaten des Nationalsozialismus und des Faschismus, zum einen um nicht zu vergessen, zum anderen um eine Orientierung für die Zukunft zu schaffen.

Denn auch noch 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ist Antisemitismus in Deutschland deutlich spürbar und eine offensichtliche Zunahme antisemitischer Gewalttaten leider traurige Realität. Vor diesem Hintergrund ist die Auseinandersetzung mit dieser beklemmenden Wahrheit unserer Geschichte besonders relevant.

Bedingt durch die Corona-Maßnahmen wird es in diesem Jahr allerdings keine Gedenkveranstaltung im klassischen Sinne geben, sondern verschiedene Online-Veranstaltungen, die über Live-Streams abrufbar sind.

Ausgerechnet an Jom Kippur, dem höchsten Jüdischen Feiertag, versuchte 2019 ein schwer bewaffneter Rechtsextremist die Synagoge im Paulusviertel zu stürmen und tötete dabei zwei Menschen. Nach diesem Anschlag in Halle/Saale hat sich in Deutschland viel für die hier lebenden Juden verändert.

Auch in Bad Segeberg wurde die Sicherheit um das Jüdische Zentrum deutlich verstärkt. Rund 90.000 Euro wurden in die Sicherheitstechnik investiert, um die Gemeindemitglieder und die Synagoge am Jean-Lebowsky-Weg 1 vor terroristischen Angriffen zu schützen. Sogar die dort eingebundene Kita musste aus Sicherheitsgründen aus dem Jüdischen Zentrum ausziehen. Neben der Synagoge in Bad Segeberg wurden auch weitere Synagogen im Norden mit modernster Sicherheitstechnik ausgestattet. Leider alles notwendig, da es immer noch Menschen gibt, die mit wildesten Verschwörungstheorien daherkommen und wie selbstverständlich ihren Antisemitismus in die Gesellschaft tragen, selbst wenn sie noch nie einen Juden getroffen oder gesprochen haben. Dabei sind Juden ein fester Bestandteil der deutschen Geschichte und Kultur und gehören in dieses Land und unsere Gesellschaft. So ist 2021 ist ein besonderes Jubiläumsjahr für Juden in diesem Land, denn wir feiern „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ und gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ist Jüdisches Leben in Deutschland ein Grund zur Freude.

Die Jüdische Gemeinde in Bad Segeberg plant anlässlich dieses Jubiläums eine ganzjährige Dauerausstellung im Gemeindezentrum und möchte das Vortrags- und Führungsprogramm gerne ausweiten, natürlich alles unter Berücksichtigung der Corona-Maßnahmen und Abstands- und Hygieneregeln. Ein ganz besonderes Projekt hat sich die Jüdische Gemeinde für den Standort der ehemaligen Synagoge in der Lübecker Straße einfallen lassen. Dort nämlich möchte man in Form eines Stahlrohrgestells die Fassade der Synagoge in der Originalgröße wiederaufbauen. Auf diese Weise könnte man nicht nur eine Baulücke in der Innenstadt von Bad Segeberg schließen, sondern die Menschen auch daran erinnern, wo die Synagoge einst stand und wie sie aussah.

Ein großartiges Projekt, für das die Jüdische Gemeinde nicht nur Gelder organisieren, sondern auch reichlich Anträge für die nötigen Baugenehmigungen stellen muss.

Segeberger Synagoge mit Sicherungszaun
Segeberger Synagoge mit Sicherungszaun

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