Kreistag : Kurzsichtige Planung. Neue Travebrücke in Herrenmühle ohne Radverkehrsanlage.

Der Antrag der GRÜNEN Kreistagsfraktion bei der Planung der neuen Brücke über die Trave bei Herrenmühle einen kombinierten Geh- und Radweg auf südlicher Seite mit zu berücksichtigen, wurde sowohl von der Verwaltung als auch von allen anderen Fraktionen im Kreistag am 12.10.2023 abgelehnt.

Auch wenn im aktuellen Radverkehrskonzept des Kreises kein Radweg für die K-12, in deren Zuge die Trave bei Herrenmühle gequert wird, vorgesehen ist, zeichnet sich doch klar ein Bedarf dafür ab.

Immerhin drei Anliegergemeinden (Bebensee, Schwissel und Klein Galdebrügge) haben eine Radverkehrsanlage an der K-12 beim Kreis beantragt.

Nicht zuletzt das Expert*innen Gremium des Kreises für Radverkehr, der Radverkehrsbeirat des Kreises, hatte einstimmig dafür plädiert, hier eine Lücke im Radverkehrsnetz des Kreises zu schließen.

„Ein lückenloses, attraktives Radverkehrsnetz ist der Schlüssel für mehr, besseren und sichereren Radverkehr“, zitierte Arne Hansen, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen aus dem Nationalen Radverkehrsplan 3.0, der sich die Steigerung des Radverkehrs um 100% zum Ziel gesetzt hat.

Die Strecke der K-12 durch das eiszeitlich geprägte Travetal ist wunderschön und touristisch interessant, auf Grund des Gefälles und zulässiger Höchstgeschwindigkeit von 100km/h allerdings nicht ungefährlich für Radfahrende.

Deshalb propagiert der Bund mit seinem Förderprogramm „Stadt und Land“ auch die Schaffung sog. „einladender Radverkehrsnetze“, die den Verkehrsplaner*innen empfiehlt, eine Verkehrsinfrastruktur zu schaffen, die dem subjektivem Sicherheitsbedürfnis einer 11-Jährigen entspricht.

Das Plädoyer aus dem Bundesverkehrsministerium ist deutlich: „Machen Sie bei jeder Straße, jedem Radweg den Test: Kann eine 11-Jährige hier entspannt und sicher fahren? Setzen Sie nur Maßnahmen um, bei denen Ihre Antwort eindeutig „Ja“ lautet.“

Leider verfolgen sowohl die Planer des Kreises als auch die anderen Fraktionen des Kreises nur die Interessen des motorisierten Individualverkehrs, in dem sie für eine breitere neue Brücke und eine breitere Ortsdurchfahrt in Herrenmühle sorgen, aber einen Radweg ablehnen.

„Dadurch wird besonders in der Ortslage noch schneller gefahren,“ ist sich Hansen sicher, „das ist für den sicheren Radverkehr natürlich kontraproduktiv“.

Dabei ist eins der strategischen Ziele des Kreises, ein „radverkehrsfreundlicher Kreis“ zu werden, die Radverkehrsanteile deutlich zu erhöhen, weshalb er sich – eigentlich – auch der Radstrategie SH 2030 verpflichtet hat.

Ein Ziel, das insbesondere auch vor dem Hintergrund der Klimakrise, ein Gebot der Stunde ist; denn gerade im Verkehrssektor erreicht die Bundesrepublik international vereinbarte Klimaziele nicht.

Dass die Verkehrsplanung schon einmal vorausschauender war, zeigt sich an einer weiteren Brücke im Zuge der K-12: nämlich der über die A-21, die über einen Radweg auf südlicher Seite verfügt.

Um so unverständlicher, dass davon nun abgewichen wurde. An den Baukosten für die Radverkehrsanlage, die nicht einmal 7% der Gesamtkosten des Brückenneubaus betragen, kann es nicht liegen.

Und Zeit genug wäre auch noch für die erweiterte Planung vorhanden , da bislang noch nicht einmal die Grunderwerbsverhandlungen abgeschlossen sind und ein aufwändiges Planfeststellungsverfahren vorzubereiten ist.

( Bild aktueller Zustand der Brücke / Verlauf Trave )

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