28.04.2019

Die Wohnungen müssen warm werden, nicht das Klima

Am Dienstag (2. April 2019) fand auf Einladung der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Landeshaus die Veranstaltung „Wärme Europäisch – Wärme aus Erneuerbaren in Dänemark und Schleswig-Holstein“ statt. Drei Impulsreferate bedienten verschiedene Perspektiven: Neben Akteuren von der Westküste und aus Dänemark war die Energie- und Klimaschutzinitiative (EKI) der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) durch Alexandra Oboda vertreten.

Dazu sagt der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Eine warme Wohnung ist Lebensqualität. Das soll auch so bleiben. Derzeit stammen in Schleswig-Holstein jedoch gerade einmal 15 Prozent der Wärmeenergie aus erneuerbaren Energiequellen – in Dänemark über 50 Prozent. Um die gesteckten Klimaschutzziele in Schleswig-Holstein zu erreichen, müssen Effizienz und Modernisierung im Wärmebereich deutlich schneller vorkommen.

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen. Wir haben in Schleswig-Holstein und Europa das Potential in Wissen, Technik und Handwerk, um unseren Beitrag zum Bremsen der Erderwärmung beizutragen. Die anstehenden erforderlichen Investitionen in Immobilien und Energienetze sind langfristig.

Ein CO2-Preis ist ein überfälliges Signal. Er könnte zeitnah die richtigen Anreize für  klimafreundliche und zukunftsfeste Investitionen setzen. Die Bundesregierung verweigert diesen Schritt zu einer marktwirtschaftlichen Lösung. Wenn es dabei bleibt, werden Bund und Länder umfangreiche langfristige Investitionsfonds auflegen müssen, damit die überfälligen Investitionen in die Wärmeinfrastruktur getätigt werden können. Die Wohnungen müssen warm werden und nicht das Klima!

Hintergrund:

Die Hälfte unseres Energieverbrauches entsteht durch Heizen. Trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen wie in Schleswig-Holstein wird in Dänemark über 50 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien erzeugt. Zwei Drittel aller Haushalte sind an Wärmenetze angeschlossen, Tendenz steigend.

Bisher wird ein großer Teil der Wärme aus Kraftwärmekopplung, Biomasse und Abfall gewonnen. Die Solarenergie und große Wärmespeicher gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wärmenetze müssen ihre Kostenkalkulationen transparent offen legen. Ein CO2-Preis weist Investoren in Dänemark den Weg zu mehr Effizienz und nachhaltigen Wärmequellen. So wird zumindest ein Teil der langfristigen Folgekosten des Einsatzes fossiler Brennstoffe abgebildet.

Die Voraussetzungen bei der Energieinfrastruktur und im Preiswettbewerb sind hierzulande deutlich anders. Es geht trotzdem voran. Hinter den erneuerbaren Wärmeprojekten in Schleswig-Holstein steckt oft viel bürgerliches und ehrenamtliches Engagement in den Kommunen. Eine breite Rückendeckung in den Gemeinden ist für den Erfolg entscheidend.

Die Energie- und Klimaschutz-Initiative EKI bietet ein umfangreiches Programm an finanzieller und fachlicher Förderung und Beratung. Doch aktuell erreicht die Anzahl der umgesetzten Projekte noch nicht den für den Klimaschutz erforderlichen Umfang. Wir wollen in Schleswig-Holstein verschiedene Maßnahmen voranbringen, um die Bürger*innen und Kommunen bei der Wärmewende zu motivieren und unterstützen.
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Presseinformation Nr. 165.19 / 05.04.2019 ___________________________________________________________

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
im Schleswig-Holsteinischen Landtag

Claudia Jacob, Pressesprecherin

Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel

Presseinformation Nr. 165.19 / 05.04.2019 ___________________________________________________________ 

18.03.2019

Fatal: Klimaschutz in der Warteschleife

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es ist schon wieder passiert: Die Regierung hat das wiederholt angekündigte Gebäudeenergiegesetz erneut von der Tagesordnung genommen. Doch selbst wenn der vorliegende Entwurf endlich verabschiedet würde, brächte das den Klimaschutz kein Stück voran. Denn was die Regierung in ihrem Gesetz plant, ist schon heute von gestern, zum Beispiel bei den Energiestandards für Neubauten. So wird das nichts mit Klimaschutz und Fairer Wärme.

Gemeinsam mit meinem Kollegen Chris Kühn aus der Bundestagsfraktion und dem Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan habe ich deshalb die wichtigsten Eckpunkte für ein klimagerechtes und wirksames Gebäudeenergiegesetz aufgeschrieben. Damit zeigen wir der Bundesregierung, wie man Klimaschutz und Mieterschutz zusammenbringt. Man muss es einfach nur tun.

Statt sich um Energieeinsparung und Erneuerbare Energien zu kümmern, setzt Wirtschaftsminister Altmaier neuerdings auf den Import von Erdgas in flüssiger Form, sogenanntes LNG. Dafür hat er eigens eine Konferenz ausgerichtet. Doch fossiles Erdgas passt nicht zu einer echten Energiewende - zumal wenn es durch umweltgefährdendes Fracking gewonnen wurde. LNG verlängert nur das fossile Zeitalter. Und das können wir uns nicht mehr leisten. 

Wenn 'oben' nix vorangeht, müssen wir es 'unten' eben selbst in die Hand nehmen. Das Umweltinstitut München hat dafür den Leitfaden „Klimawende von unten“ verfasst. Darin gibt es Mut machende Geschichten aus Städten und Gemeinden, in denen Menschen für Klimaschutz und saubere Luft sorgen, und Tipps für alle, die selbst aktiv werden wollen.

Apropos von unten: Am Freitag, den 15. März, ruft Fridays for Future zum internationalen Klimastreik auf. Dann sollen in über 40 Ländern junge Menschen auf die Straße gehen und ihre Regierungen auffordern, endlich zu handeln. Auch in Niedersachsen wird in vielen Städten gestreikt.

Aber auch 'von oben' brauchen wir mehr Druck. Deshalb sind die nächsten Wahlen so wichtig. Gleichzeitig mit der Europawahl im Mai wählen die Menschen im Landkreis Lüneburg ihre neue Landrätin / ihren neuen Landrat. Die Lüneburger Grünen haben dafür Erika Romberg mit großer Mehrheit nominiert. Sie ist eine großartige Kandidatin mit viel Erfahrung in Politik und Verwaltung. Ich freue mich auf den Wahlkampf mit ihr!

Viele Grüße
Julia Verlinden

05.02.2019

Die Energiewende mit Unternehmen und Verbraucher*innen gestalten

"Zur Forderung der Landesregierung, in der heute vorgestellten Bundesratsinitiative, nach einer Reform der Abgaben und Umlagen im Energiebereich sagt der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Die Entwicklung der erneuerbaren Energien mit den Wind- und Solarkraftwerken ist gut vorangekommen und war der historische Erfolg des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Strom aus Wind und Sonne ist nun billiger als neuer Kohlestrom. Davon profitieren nicht nur das Klima, sondern gerade auch die Verbraucher*innen und unsere Wirtschaft mit ihren Arbeitsplätzen. Weltweit wird in erneuerbare Energien investiert.

Neue Anlagen sind mittlerweile so kosteneffizient, dass sie kaum noch zur EEG-Umlage beitragen. Sie ist mittlerweile der Rucksack, den wir für den Entwicklungserfolg zu tragen haben und der derzeit von den Verbraucher*innen sowie kleinen Unternehmen finanziell geschultert wird. Der erfolgreiche Ausbau der erneuerbaren Energien muss endlich auch bei ihnen ankommen, sie müssen finanziell entlastet werden. Der Vorschlag der Landesregierung, Energieträger anhand ihrer Produktion klimaschädlicher Treibhausgase zu besteuern, ist daher folgerichtig und gut. 

Damit Strom, Wärme und Treibstoffe aus erneuerbaren Energien wettbewerbsfähig mit fossilen Energieträgern werden, brauchen wir eine Bepreisung, die deren realen Kosten widerspiegelt. Wer den Klimaschaden verursacht, muss auch dafür zahlen. Derzeit verhindern die Steuern, Gebühren und Abgaben eine sinnvolle Sektorenkopplung in den Bereichen Wärme und Verkehr, obwohl wir Wind- und Solarstrom günstig erzeugen können. Hier müssen wir auch mit flexiblen Strompreisen ansetzen, um endlich Unternehmen und Verbraucher*innen in die Lage zu versetzen, die Energiewende aktiv mit zu gestalten: Es lohnt sich, auf klimafreundliche Energie umzusteigen."

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
im Schleswig-Holsteinischen Landtag

Claudia Jacob, Pressesprecherin
presse@gruene.ltsh.de
www.sh-gruene-fraktion.de

26.01.2019

Die Zeit wird knapp

Die Zeit wird knapp, um die Klimaziele zu erreichen

Zur Regionalplanung Windenergie und der Ankündigung einer 3. Planüberarbeitung der Landesregierung sagt der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Das Moratorium für den Ausbau der Windenergie wird weiter verlängert werden müssen, um dann nach einer 3. Planüberarbeitung und Auslegung zu einem Landesentwicklungsplan Wind zu kommen. Um die Energie- und Klimaziele für das Jahr 2025 zu erreichen, werden wir 10 GW Onshore-Windenergie benötigen. Neue Windkraftanlagen sind deutlich leistungsfähiger als die Bestehenden, so dass wir dafür nur eine Fläche von zwei Prozent der Landesfläche benötigen.

In den kommenden Jahren wird eine ganze Reihe alter Windkraftanlagen möglicherweise den Betrieb einstellen. Sie laufen nach 20 Jahren aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) raus. Eine Nachfolgeregelung und weitere Betriebsmodelle sind offen. Das Zeitfenster wird immer enger, um die Klimaziele in Schleswig-Holstein noch zu erreichen. Es ist daher dringend geboten, dass auf mehrfach geprüften Potenzialflächen für Windkraftanlagen im Land der erforderliche Ausbau kontinuierlich auch über das Verfahren der Ausnahmegenehmigungen ermöglicht wird.

Presseinformation
Nr. 008.19 / 15.01.2019

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
im Schleswig-Holsteinischen Landtag
Claudia Jacob
Pressesprecherin

URL:http://gruene-se-kv.de/themen/energiewende/